KITA am Englischen Garten GmbH
KITA am Englischen Garten GmbH
4.7. Entwicklung und Förderung von Basiskompetenzen

Der „Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan“, kurz BEP, stellt den gesetzlich festgelegten Orientierungsrahmen der pädagogischen Ziele für die Kinderkrippe und den Kindergarten.

Prof. Dr.Dr.Dr. Wassilo E. Fthenakis war maßgeblich an der Entwicklung des BEP beteiligt.
Auf die Frage, welche Kompetenzen ein Kind bis zum Schuleintritt erworben haben sollte, antwortet er:

„Erstens sollten dies Kompetenzen sein, die das Kind dazu befähigen, zu einer autonomen und selbstständigen Persönlichkeit zu werden.

Dazu kommen Kompetenzen, die dem Kind ermöglichen, am sozialen Geschehen einer Gesellschaft teilzuhaben und diese mitzugestalten und mit zu verantworten.
Entscheidend ist außerdem, daß Kinder früh lernen wie man lernt.
Und schließlich muß man sich die Frage stellen:
Wie können Kinder lernen, gut und erfolgreich mit Wandlungen, Veränderungen und auch Belastungen umgehen?
Es geht darum, die Kampffähigkeit, die Resilienz des Kindes von Anfang an zu stärken. Man sollte, und das ist ganz wichtig, eine ganzheitliche Förderung des Kindes verfolgen.“ (Interview aus: „Spielen und Lernen“ 07/08 S.19)

4.7.1. Motivationskompetenz

Unter diesem Punkt sehen wir unsere Aufgabe in der Förderung

- des Vertrauens des Kindes in sich selbst
- der Regulation der Ausdauer und der Konzentration
- der Neugier und der Entwicklung eigener Interessen

Viele Kinder leiden heutzutage unter Konzentrationsschwäche und -mangel.
Nervosität und Hyperaktivität sind weit verbreitet.
Dadurch sind viele Kinder in ihrer Schaffensfreude und der Fähigkeit, sich mit einer Aufgabe für einen längeren Zeitraum intensiv zu verbinden, gehindert.
Wissenschaftler untersuchen seit langem die verursachenden Faktoren (Pathogenese).

Im Gegenzug gilt es jedoch, die stabilisierenden Faktoren (Salutogenese) zu erkennen und zu fördern.

Wir sehen unsere Aufgabe darin, beides zu verbinden.

Für unser Handeln heiß das, Eindrücke, die sich schädlich auf die Entwicklung des kleines Kindes auswirken, von ihm fernzuhalten
(kein Computer und Fernsehen im Kleinkindalter).

Zum anderen die förderlichen Faktoren durch genaue Beobachtung zu erkennen. Wir beobachten genau das Lern- und Betätigungsbedürfnis der Kinder und stimmen unser Lernarrangement so ab, dass die Interessen und Bedürfnisse der Kinder berücksichtig sind.
Frühe Begabungen und Talente werden erkannt und entsprechende Unterstützung angeboten

Um ein positives Selbstkonzept und eine motivationale Kompetenz zu entwickeln, braucht ein Kind soziale Unterstützung durch seine Umwelt.

Wir bieten den Kindern anregende und interessante Betätigungsmöglichkeiten in einem positiven, emotional befriedigendem Umfeld.

4.7.2. Selbstkompetenz

In den ersten zwei Lebensjahren erlebt sich das kleine Kind noch als Mittelpunkt seiner Umwelt. Mein und Dein kann es noch nicht voneinander trennen.

“Das Kind hält das, was es heftig begehrt und das, was ihm gehört, für eins.”
(Jean Paul: aus:”Zitaten Auslese” 1978 Verlag: F.Englisch)

Das Kleinkind löst sich Schritt für Schritt immer mehr aus der symbiotischen Mutterbeziehung hin zum eigenen ICH.

Durch diese Selbstwahrnehmung erkennt das Kind auch die Mutter und andere Menschen als eigenständige Personen.

Dieser Prozess verläuft nicht geradlinig und ist oft mit Trennungsängsten verbunden.
Die ersten Schritte hin zur Selbständigkeit werden getan.
Das Kind entdeckt in dieser Zeit auch seinen eigenen Willen und probiert diesen durchzusetzen.
Diese sogenannte „Trotzphase“ fordert von den Eltern und Pädagogen viel Verständnis, Geduld, Einfühlungsvermögen und Eindeutigkeit.

Wir begleiten das Kind in dieser Zeit und beobachten achtsam, wie das Kind mit der Situation, der Ablösung zurecht kommt, ob und wieviel Unterstützung es dabei braucht.
Basis dafür ist die sichere emotionale Bindung zur Bezugsbetreuerin.

Aus dieser gesicherten Basis mit dem Gefühl des Angenommen- und Beachtetseins heraus, kann das Kind neuen, unvertrauten Situationen begegnen.

4.7.3. Selbstwahrnehmung

Eine wichtige Voraussetzung für ein positives Selbstwertgefühl ist das Wissen über sich selbst, etwas über sich selbst zu erfahren und sich selbst zu erkennen.
Der Säugling und das kleine Kind formen ihr Selbstbild vorerst durch ihre Umgebung, durch den Umgang mit Erwachsenen, Gleichaltrigen, vertrauten und fremden Personen.
Sie sind auf ihre Umgebung angewiesen.
Für den Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls ist auch die Entwicklung eines positiven Körpergefühls von großer Bedeutung.
Im KITA - Alltag gibt es vielerlei Situationen, in denen wir das Kind anregen, sich selbst wahrzunehmen und sich kennenzulernen.
Beim An- und Ausziehen können einmal die Hände, ein anderes mal die Füße auf Erkundungsreise gehen. Fingerspiele und Reime unterstützen die Erkundungsreise am eigenen Körper.
Erblickt das Kind sein Spiegelbild, wird es fasziniert feststellen, dass es sich zweimal sieht.
Geeignetes Spiel und Beschäftigungsmaterial in unseren Gruppenräumen bietet dem Kind ebenfalls viel Möglichkeiten, sich selbst zu erproben, sich auszudrücken und sich mitzuteilen.

„Ich bin ich und du bist du. Komm wir wollen tanzen immerzu!“ ( Kinderlied von H. Viehoff)

4.7.4. Soziale Kompetenz

"Im sozialen Miteinander geht es immer darum, die Interessen, Wünsche, Bedürfnisse des Einzelnen in ein Verhältnis zur sozialen Gemeinschaft zu bringen. “

(Peter Lang aus: „Lasst den Kindern Zeit“ Herausgeb.: Intern.Verein.der Waldorfkinderg. e.V.)

Für einen Menschen ohne soziale Kompetenz ist ein Leben in einer Gemeinschaft nicht möglich.

Von Geburt an sind Kinder soziale Wesen und wollen sich lernend in die menschliche Gemeinschaft einleben. Dieses Lernen beginnt in der Regel in der Familie und setzt sich in der KITA und im Kindergarten fort.
Immer mehr Kinder wachsen heutzutage in Ein-Kind-Familien auf, oft nur mit einem Elternteil. Ihr soziales Übungsfeld ist dadurch begrenzt. Die KITA und der Kindergarten müssen daher mehr denn je Grundlagen für soziale Erfahrungsfelder schaffen.

In unserem täglichen Miteinander lernen die Kinder den Umgang mit
- eignen Emotionen wie Freude, Trauer, Ärger, Wut
- Emotionen der anderen Kinder
- Konfliktsituationen

Erziehung zur soziale Lebenskompetenz heißt für uns auch das Entwickeln von Kompromiss- und Kooperationsbereitschaft. Die Freiheit des Einzelnen endet, wo die Grenze des Anderen beginnt.

Jeder Mensch, jedes Wesen ist einmalig.

Unsere Kinder lernen unsere Umwelt und alles Leben zu respektieren. Der Respekt vor allen Lebewesen und der Natur ist ein wichtiges Erfahrungs- und Lernziel in unserer Einrichtung.
Wir vermitteln den Kinder Respekt vor allem Leben und vor unserer Umwelt. Die Kinder erfahren und lernen dies im Zusammenleben in der Gruppe, sie lernen gegenseitige Akzeptanz und das Einhalten von Gruppenregeln.
Durch die Altersmischung wachsen unsere Kinder wie in einer Großfamilie auf und lernen voneinander.

Menschsein kann man nur von Menschen lernen.

Unsere Pädagogen geben den Kindern Hilfen und Anregungen, ihr Denken und Agieren auf ein freundschaftliches und respektvolles Miteinander zu richten.

4.7.5. Lernmethodische Kompetenz

Es vergeht kaum ein Tag im Leben und Krippenalltag eines Säuglings oder kleinen Kindes, an dem es nicht schon wieder etwas Neues gelernt hat oder eine Vielzahl von Fertigkeiten weiterentwickelt und verfeinert hat.
Dem Kind ist der Wille zur Leistung angeboren. Es zeigt bereits im spielerischen Tun all das, was auch das spätere Lernen bestimmt.
Ein Ziel wird ins Auge gefasst und die eigene Handlung wird darauf abgestimmt.
Fehlschläge spornen es dazu an, es noch einmal zu versuchen.
Gelingt ein Lernprozess aus eigener Kraft, ist das Kind zufrieden und stolz.
Unser Lob und unsere Anerkennung bestätigen seine Mühe, fördern Sicherheit und Selbstvertrauen und spornen es an, den nächsten Entwicklungsschritt zu wagen.
Das Kind lernt durch das Tun.
Die Waldorfpädagogik nennt dies impliziertes Lernen und versteht darunter eine indirekte Lernweise, die sich überwiegend an gelebten Beispielen orientiert.
Die Kinder üben ihre Feinmotorik nicht anhand spezieller Übungen, sondern bei konkreten Tätigkeiten.
Z.B. Gemüse schnippseln oder bei Fingerspielen.
Durch das Lernen an lebensnahen Sinnes Zusammenhängen werden Ausdauer, Konzentration und Sicherheit gefördert.

4.7.6. Resilienz

Unter Resilienz versteht man die Fähigkeit, trotz ungünstiger Umweltfaktoren zu gedeihen.
Man betrachtet diese Fähigkeit als dynamischen Prozess und nicht mehr als feste Eigenschaft.
Kinder sind nicht in allen Situationen resilient.
Kinder können aber lernen, sich selbst zu trösten und Problemsituationen zu bewältigen
Die Resilienzforschung sagt uns, dass es Schutzfaktoren gibt, welche die Entwicklung der Resilienz fördern können.
Lernt das Kind in seiner frühen Kindheit, daß es ein kompetenter Mensch ist, wird seine emotionale Stabilität gefördert und begünstigt lebenslange Bewältigungsstrategien.
Wir fördern in unserem Haus ein Gemeinschaftgefühl, sodaß jedes Kind ein Gefühl der Zugehörigkeit hat und dabei seine eigenen Bedürfnisse und die der anderen versteht.
Wir sorgen für Lernprozesse, die für das Kind durchschaubar und bedeutsam sind.
Dadurch kann es Zusammenhänge erkennen und sich in seiner Kompetenz erleben.